Chiras Index

Mit dem ChirasIndex® liegt ein wissenschaftlich abgesichertes Instrumentarium vor, das die Ausprägungen von Ambidextrie in einer Organisation messen kann. Es handelt sich um ein Erhebungsinstrument, das im Rahmen langjähriger Forschungsarbeit und auf Basis einer Dissertation entwickelt wurde (Dissertation Töpfer, G., 2020). Für verschiedene Einsatzkontexte liegen verschiedene Varianten des Instruments vor:

  1. Das quantitative Instrument misst im Rahmen einer Vollerhebung einer Gruppe, einer Abteilung oder auch einer ganzen Organisation die Ausprägungen der Ambidextrie.
  2. Das qualitative Instrument kann bei der Arbeit mit Fokusgruppen im Workshop-Format eingesetzt werden.
  3. Für die Strategie-Entwicklung liegt ein eigenes Instrument vor, das sowohl quantitativ als auch qualitativ eingesetzt werden kann. Es leistet einen Ist-Soll-Abgleich als Basis für Entscheidungen und als Instrument zur Erfolgskontrolle.

Im Thinktank arbeiten wir an Forschungsfragen, die das Instrument und den Einsatz im Organisationskontext präzisieren, optimieren und vereinfachen sollen.

1. Wie sieht das Ergebnis aus?

  • In der Auswertung kann sowohl zwischen verschiedenen Unternehmensbereichen (z. B. Abteilungen, Teams) wie auch zwischen unterschiedlichen Funktionsgruppen (z. B. Führungskräfte, Projektleiter*innen, Werker*innen) unterschieden werden.
  • Im Rahmen einer individuellen Vereinbarung generiert die Erhebung geeigneter soziodemografischer Merkmale wie z. B. Dauer der Zugehörigkeit zum Unternehmen, Berufserfahrung, etc. weitere Erkenntnisse.
  • Mit einer erneuten Überprüfung kann der Erfolg einzelner Maßnahmen erhoben und ggf. nachgesteuert werden.

Aus dem Delta der beiden Analysen können Maßnahmen abgeleitet und Veränderungen in der Organisation angestoßen werden. Wir begleiten Sie gerne durch den gesamten Prozess oder steuern vorhandene interne oder externe Akteure.

2. Wissenschaftlicher Hintergrund

Der ChirasIndex basiert auf dem wissenschaftlich etablierten Konzept der organisationalen Ambidextrie („Beidhändigkeit“, Duncan 1976). Die beiden „Hände“ heißen Exploit- und Explore-Modus. Im Exploit-Modus liegt der Fokus auf dem Bewahren und Optimieren des Vorhandenen. Im Explore-Modus liegt der Fokus auf dem Erkunden neuer Optionen und Möglichkeiten. Üblicherweise tendieren länger bestehende Unternehmen eher zum Exploit-Modus, Start-Ups laufen eher im Explore-Modus (Exploration/Exploitation-Trade-Off, March, 1991).

Um in der Komplexität der heutigen Zeit zu bestehen, ist ein Gleichgewicht beider Modi nötig (Dixon, Meyer & Day, 2007; He & Wong, 2004; Lavie, Stettner & Tushman, 2010; Raisch, Birkinshaw, Probst & Tushman, 2009), wobei die Schwierigkeit für Unternehmen darin besteht, beide Modi in annähernd gleicher Intensität zu verfolgen (Argyris, 1977; Auh & Menguc, 2005; Benner & Tushman, 2003; Bierly et al., 2009; Brady, 2004; Burpitt, 2009; Crossan et al., 1999; Kauppila, 2010; Kim & Rhee, 2009), denn: Beide Modi sind gegensätzlich angelegt in ihren Voraussetzungen, Grundannahmen, Werkzeugen und Zielsetzungen (March, 1991). Dies ist auch der Grund, warum Unternehmen sich mit einer Balance so schwertun - darüber hinaus ist ein "Richtungswechsel" füreine ganze Organisation ein schwieriges Unterfangen.

Beispiel:

Im Explore-Umfeld wird ausprobiert, getüftelt, geprobt, getestet, verworfen, neu ausprobiert – Fehler sind ein völlig normaler Teil des Prozesses und die Kunst ist, aus jedem Fehler zu lernen. Eine Führungskraft tut gut daran, Fehler nicht zu verdammen, sondern möglichst konstruktiv und offen zu besprechen.

In einer Exploit-Umgebung (wie sie z. B. eine Fertigungsstrecke ist, ist die Lösung – nämlich die annähernd optimale Gestaltung der Abläufe und Prozesse – schon gefunden. Ein Fehler ist eine Abweichung von diesem Ablauf, er kostet Zeit und Geld und ist zu vermeiden. Eine Führungskraft hat in diesem Fall die Aufgabe, die Ursache für den Fehler möglichst schnell zu beseitigen und dafür zu sorgen, dass er nicht mehr auftritt.

Der ChirasIndex wurde auf der Basis eines Konzepts aus der Organisationspsychologie entwickelt (Töpfer, 2020) und anschließend im Rahmen eines mehrstufigen Verfahrens verfeinert und in Hinblick auf statistische Gütekriterien optimiert.