Definition von Ambidextrie

Ambidextrie bedeutet in seiner einfachsten Definition das Nebeneinander von Exploit-Modus (Bewährtes erhalten und optimieren) und Explore-Modus (Innovationen verfolgen). Die beiden Modi sind wie zwei „Betriebssysteme“ für Unternehmen, die sich gleichzeitig widersprechen und ergänzen und die beide absolut kritisch für langfristigen Erfolg sind. Aus der Balance zwischen den beiden Modi ergeben sich verschieden Formen und Arten von Ambidextrie, die unterschiedliche Konsequenzen für die Umsetzung in die Praxis beinhalten. Gelungene Ambidextrie bedeutet, das ambidextre Spannungsfeld im Sinne der Organisation zu steuern und so zum langfristigen Bestehen der Organisation beizutragen - das heißt: Ambidextrie dient Organisationszielen und ist kein Konzept auf der Invidualebene. Gleichwohl hat Ambidextrie eine Bedeutung für die Individuen, die in der Organisation wirksam sind.

Ambidextrie bedeutet in seiner einfachsten Definition das Nebeneinander von Exploit-Modus (Bewährtes erhalten und optimieren) und Explore-Modus (Innovationen verfolgen).

1. Was ist Ambidextrie?

Wörtlich übersetzt bedeutet Ambidextrie „Beidhändigkeit“, also eigentlich die Fähigkeit, mit der linken und der rechten Hand zu schreiben. In Bezug auf Unternehmen ist der Begriff schon in den 1970er Jahren aufgetaucht. Als von Agilität und Digitalisierung noch lange nicht die Rede war, wurde schon beobachtet, dass Unternehmen in zwei möglichen „Betriebssystemen“ laufen können und die Wirkung jeweils unterschiedlich ist:

Im einen (man nennt ihn Exploit-Modus) läuft das Unternehmen wie eine gut geölte Maschine. Jedes Rädchen sitzt am richtigen Platz, erfüllt seine Aufgabe, Prozesse laufen gut geplant und organisiert ab, es wird optimiert und verbessert und am Ende steht ein gutes Produkt/eine gute Dienstleistung, das/die zu den Bedürfnissen des Markts passt. Im Exploit-Modus geht das Unternehmen sparsam und effizient mit seinen Ressourcen um. Es versucht, Qualität durch Kontrolle und verbindliche Regeln abzusichern. Da das Ergebnis oft vorhersehbar, der Ablauf kontrollierbar und die Ressourcen gut kalkulierbar sind, stellt der Exploit-Modus jenes Betriebssystem dar, zu dem die meisten Unternehmen im Laufe der Zeit tendieren – mit der Gefahr, sich im eigenen Regelwerk zu verstricken und nicht mehr aufnahmefähig für Impulse in der Umgebung (Marktgeschehen, Trends) zu sein.

Der andere Modus (Explore-Modus) beinhaltet das, was passieren muss, wenn der Produktlebenszyklus sich dem Ende zuneigt - und optimalerweise schon lange vorher: Das Unternehmen orientiert sich in Richtung Innovation, es reagiert auf Entwicklungen und Impulse von außen, prüft, testet, entwickelt, scheitert, setzt neu an und schafft es so, eine Neuigkeit auf dem Markt zu platzieren. Das Unternehmen ist in dieser Phase eher langsam, nicht so zielgerichtet und "verliert" durch Versuch und Irrtum Ressourcen.

Beide Modi sind für Unternehmen wichtig und man kann keinen der beiden Modi guten Gewissens einfach vernachlässigen - das Problem ist, dass sie widersprüchlich funktionieren und ihre Grundannahmen, Werkzeuge und Zielsetzungen verschieden sind. Dies macht das individuelle Ausbalancieren zu einem Handlungsfeld für Unternehmen und begründet den Forschungsbereich der organisationalen Ambidextrie.

2. Welche Formen von Ambidextrie gibt es?

Die beiden „Betriebssysteme“ der Ambidextrie (Exploit-Modus und Explore-Modus) sind in sich widersprüchlich: Sie bauen auf unterschiedlichen Grundannahmen auf, bedienen sich verschiedener Instrumente und Methoden und dienen unterschiedlichen Zielen. Wie sie sich zueinander verhalten, kann verschieden aussehen:

  • Sequenzelle Ambidextrie: Ein Unternehmen durchläuft die Modi nacheinander. So folgen auf Phasen des Explorierens jeweils Exploit-Phasen.
  • Strukturelle Ambidextrie: Davon sprechen wir, wenn man den Widerspruch aus Exploit- und Explore-Modus als so gravierend einschätzt, dass ein Nebeneinander nicht möglich ist. Die beiden Modi „leben“ dann im Unternehmen z. B. in getrennten Abteilungen.
  • Kontextuelle Ambidextrie: Davon kann man sprechen, wenn man davon ausgeht, dass beide Modi sich eher ergänzen und im Arbeitskontext ineinander integriert werden können und z. B. Aufgaben je nach Anforderungsprofil mit dem einen oder anderen „Modus“ bearbeitet werden.

Die verschiedenen "Ambidextrien" haben verschiedene Verwendungskontexte und die Forschung hat nicht abschließend geklärt, was genau in welchem Fall und für welche Anwendung „richtig“ ist – einer der Gründe, warum wir die Ambidextrie im Thinktank näher erforschen.

3. Welche Vorteile bringt Ambidextrie für Unternehmen?

Ambidextrie ist ein Instrument auf einer übergeordneten Ebene (Meta-Kompetenz). Oft ist in der Vielzahl von Ansätzen und Modellen eine gewisse Widersprüchlichkeit zu erkennen: Alles kontrollieren und im Blick behalten? Dann bieten sich Ansätze zur Prozessoptimierung, zur Ausarbeitung von Kennzahlen (KPIs) oder zur starken Durchsetzung von verbindlichen Vorgaben und Regeln an. Auf Freiraum, Selbstbestimmung und Kooperation setzen? Je nach Arbeitsgebiet kommt man dann mit KPIs, verbindlichen Vorgaben und bis ins Detail optimierten Prozessen nicht weit und setzt besser auf Eigenverantwortung und die Fähigkeit zur Selbststeuerung, viel Freiraum und eine dem Organisationszweck dienende Kultur.

Aus der Perspektive der Ambidextrie kann man Arbeit ansehen als einen Griff in zwei Kisten, die verschiedene Werkzeuge (sowie Kriterien, Vorgaben, Überzeugungen und Werte, Kriterien für Qualität und Leistung) beinhalten, die jedoch beide dem Ziel der Organisation dienen, bestehen zu bleiben. Beide Ansätze sind also gut, richtig, wertvoll, zielführend und bewährt – jeweils für eigene Aufgaben. Deshalb ermöglicht die Ambidextrie - als Instrument verstanden - eine strategische Ausrichtung der Organisation und eine Versöhnung der beiden sich oft unentschlossen oder gar feindselig gegenüberstehenden Sichtweisen.

Lust auf mehr Informationen?

Weiter geht es mit Exploit

Mehr über Exploit erfahren