Digitalisierung

Die Digitalisierung kann als Aktionsfeld für Ambidextrie angesehen werden. Digitalisierung wird als disruptive Veränderung beschrieben, die vielen traditionellen Unternehmen die schwierige Aufgabe gibt, eingeschwungene, erprobte und gut laufende Geschäftsprozesse in Frage stellen müssen. Absurder Weise sind besonders jene Unternehmen davon betroffen, die lange Jahre von Erfolg verwöhnt waren und aufgrund von technisch sehr anspruchsvollen Produkten oder einer herausragenden Marktposition kaum Bedenken bezüglich anderer Anbieter haben mussten. Mit der Digitalisierung werden die Karten für quasi jede Branche neu gemischt und wer sich schneller aufmacht, hat die eindeutig besseren Chancen.

1. Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Digitalisierung und Ambidextrie?

In der Ambidextrieforschung wird die Veränderung eines Unternehmens und ihre Anpassungsfähigkeit als Gegenpol zum „weiter so“ beschrieben. Ein Unternehmen, das sich an veränderte Umgebungsbedingungen nicht anpassen kann oder will, hat es auf Dauer schwer auf dem Markt. Dabei können diese Umgebungsbedingungen gesellschaftlicher, ökologischer, technischer, politischer oder sozialer Natur sein. Die Digitalisierung wird allgemein als Disruption beschrieben. Das bedeutet, dass die Veränderung durch die Digitalisierung alle Lebensbereiche umfassen wird, sie wird Märkte, Konsumgewohnheiten, Abläufe, Nachfrage und Angebot auf den Kopf stellen. Es handelt sich in der Ansicht von Experten um eine Veränderung, die ähnlich tiefgreifend wie die Elektrifizierung der Welt ist: Wo Strom verwendet werden kann, wird er heute verwendet. Für die Digitalisierung gilt: Alles, was digitalisiert werden kann, wird auch digitalisiert werden.

Die Digitalisierung bringt mit sich, dass wir Produkte, die wir früher in die Hand nehmen konnten, durch „digitale Produkte“ ersetzen. Beispielsweise brauchten wir früher einen Schlüssel, um die Hotelzimmertür zu öffnen. Heute können wir die Tür mit einem QR-Code auf dem Handy öffnen, wenn wir das wollen. Diese kleine Änderung bringt eine völlige Neuordnung der Abläufe im Hotel (und der anhängenden Produktionsketten) mit sich: Wenn ich meine Daten schon bei der Hotelbuchung eingegeben habe und mein Zimmercode auf mein Handy geschickt wird, ist der Gang zur Rezeption überflüssig geworden. Ebenso ist der Schlüssel als Produkt der Übergabe überflüssig geworden, damit vielleicht auch die Person, die mir den Schlüssel aushändigt und die Firma, die den Schlüssel hergestellt hat. Aus gesellschaftlicher Sicht kann man viele dieser Prozess sehr kritisch sehen – dass sie so passieren werden bzw. zum Teil schon passiert sind, ist unbestreitbar und die Entwicklung ist wahrscheinlich auch unumkehrbar. Sich in dieser neuen „immateriellen Welt“ zurechtzufinden, ist für jedes Unternehmen eine immense Veränderung und Geschäftsmodelle zu entwickeln, die innerhalb dieser Welt „funktionieren“, momentan das Gebot der Stunde.

2. Inwiefern ist Ambidextrie geeignet, um die Digitalisierung zu bewältigen?

Unternehmen, die jetzt neu anfangen, fällt die Digitalisierung „leicht“: Start Ups kommen nicht mehr auf die Idee, eine Firma für Hotelzimmertüren und dazugehörige Schlösser zu eröffnen. Es kann gleich „digital gedacht“ werden: Das muss per Smartphone funktionieren!

Der Umstieg von bereits bestehenden Geschäftsmodellen auf die immaterielle Welt ist jedoch höchst anspruchsvoll, komplex und riskant. Der Explore-Modus in der Ambidextrie ist jenes Betriebssystem, das dazu gemacht ist, veränderte Rahmenbedingungen aus der Umwelt aufzunehmen, einzuordnen und zu sortieren. Daraus können Schlüsse für das Produkt, für veränderte Produktionsprozesse oder eine sich verändernde Nachfrage gezogen werden. Dafür bietet der Explore-Modus die entsprechenden Instrumente und Unternehmen tun gut daran, sich schnell mit der Frage zu befassen, welche Produkte/Abläufe und Prozesse sie beibehalten wollen und an welchen Stellen sie sich auf neue Abenteuer einlassen. Viele Unternehmen, die sich mehrere Jahre auf bestimmte Produkte und Abläufe eingeschwungen haben, haben den Explore-Modus „verlernt“, da er nicht nötig war – das Produkt lief ja schließlich! Um sich also für so eine große Veränderung zu rüsten, ist das (Neu-) Erlernen des Explore-Modus die allererste Aufgabe.

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