Explore

Die Ambidextrie sagt, dass jedes Unternehmen prinzipiell zwei Betriebssysteme hat, von denen einer Exploit-Modus, der andere Explore-Modus heißt. Um langfristig auf dem Markt zu bestehen, sind beide Modi im Unternehmen nötig und entscheidend, auch wenn sie sich prinzipiell widersprüchlich gestalten. Eine ambidextre Organisation beherrscht beide Modi und kann je nach Bedarf vom einen in den anderen Modus wechseln, um die vorliegenden Herausforderungen anzugehen – ähnlich einer Sportmannschaft, die von der Defensive in die Offensive umschalten kann, wenn das Spiel es erfordert.

1. Was bedeutet Explore-Modus?

Der Explore-Modus ist in Sachen Organisationsstruktur wenig definiert. Es kann sich um eine Abteilung, ein Projektteam oder ein loses Netzwerk aus Kooperationspartnern handeln. Üblicherweise werden offene und unstrukturierte Aufgaben im Explore-Modus gelöst, wie sie z. B. die Frage „wie digitalisieren wir unser Geschäftsmodell?“. Damit solche Aufgaben bearbeitet werden können, sind eine Reihe von Rahmenbedingungen nötig: Zum einen ist das Problem deshalb unstrukturiert und offen, weil es keine allgemein gültige oder eindeutige Antwort darauf gibt – oft ist nicht einmal das Problem selbst genau benannt und ausformuliert. Im ersten Schritt gilt es also, zu einem besseren Verständnis über das Thema zu kommen. Hierzu werden möglichst viele verschiedene Sichtweisen einbezogen und in einem moderierten Rahmen nebeneinandergestellt. Es ist nicht Ziel des Explore-Modus zu entscheiden, welche Sichtweise die richtige ist. Das ist oft noch gar nicht möglich (z. B. die Frage, wohin sich eine neue digitale Geschäftsidee entwickeln wird – wird sie abheben oder nicht einmal die ersten Meter schaffen?). Das Ziel ist, zu einem vorläufigen Vorgehen zu gelangen, indem z. B. Prototypen entwickelt und getestet werden und indem man aus Pilotvorhaben schnell lernt (Fehlerkultur!). Da oft neben dem Ziel und der Lösung auch die nötigen Werkzeuge nicht klar definiert sind, ist ein weiteres Merkmal des Explore-Modus, dass die Akteure gewissen Freiraum bei der Gestaltung ihrer Aufgabe haben und nicht durch Vorgaben, Regeln und Normen ausgebremst werden, während sie an einer guten Antwort tüfteln. Die ergebnisoffene Hinwendung zu neuen, gerne auch „verrückten“ Lösungen, ist die Paradedisziplin des Explore-Modus. Im so gestalteten Raum können Innovationen entstehen, für die innerhalb eines eingeschwungene Betriebs, der meisterhaft seine Standardaufgaben erledigen kann, kein Platz gewesen wäre.

2. Warum reicht der Explore-Modus alleine nicht aus?

Die Kernkompetenzen im Explore-Modus enden da, wo Produkte in die Linienproduktion überführt werden müssen, wo z. B. Rohstoffe zu einem günstigen Preis eingekauft werden müssen, man eine Fertigungsstraße einrichten oder Maschinen und Anlagen installieren muss. Produktionsprozesse schnell, schlank und effizient einzurichten, ist für den Erfolg des Produkts am Markt unerlässlich, aber in aller Regel keine Aufgabe, die mit dem Explore-Instrumenten gut zu bewältigen ist. Das Orientieren an bestimmten Standards, um Qualität zu erreichen, ist geradezu der Gegenentwurf zum Explore-Modus – dieser darf nämlich ungestraft fragen: „Was wäre, wenn…?“

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