Innovation

Ambidextrie wurde schon ganz früh mit dem Thema Innovation in Verbindung gebracht. Die ersten Beobachtungen zur Ambidextrie fußen auf der Beobachtung von „dual structures“ (also zweigeteilten/dualen Strukturen), um Innovation zu ermöglichen. Dabei muss unterschieden werden, was mit Innovation genau gemeint ist, denn die Spanne reicht von „irgendetwas, was danach anders ist als vorher“ (wir sprechen von einer inkrementellen Veränderung) bis hin zu einer gewaltigen Neuausrichtung oder Neuorientierung eines ganzen Unternehmens, einer sogenannten Disruption.

1. Was hat Innovation mit Ambidextrie zu tun?

Man kann mit Hilfe der Ambidextrie zumindest den Raum bestimmen und öffnen, in dem Innovation stattfinden darf. Wenn es sich um eine zündende, neue, revolutionäre Idee handelt, kann diese quasi jeder Person in der Organisation zu jedem beliebigen Zeitpunkt in den Kopf kommen. Es liegt dann an der Organisation, diese Idee zu sich heranzuziehen, zu begutachten, zu prüfen und auf ihre Umsetzbarkeit hin abzuklopfen. In der Ambidextrie wird dieses Vorgehen dem Explore-Modus zugeordnet, in dem auch völlig verrückte Ideen und Gedanken ernst genommen werden. Das Prüfen von vielen außergewöhnlichen Ideen braucht natürlich seine Zeit – die Kehrseite des Explore-Modus. Ist eine Organisation in der Lage, diesen Modus zu fahren, stehen völlig neuen, überraschenden Produkten und Dienstleitungen Tür und Tor offen. Wir sprechen, je größer die Abstände einer Innovation zum bisherigen Produkt/zum bisherigen Modell sind, von einer disruptiven Veränderung.

Organisationen, die diese Räume nicht öffnen wollen oder es „verlernt“ haben, tun sich mit großen Innovationssprüngen schwer – sie laufen im Exploit-Modus. Das heißt nicht, dass sich Organisationen nicht trotzdem ändern können, sich verbessern, entwickeln, dazulernen und innovativ sein. In Form von inkrementeller Veränderung arbeiten solche Organisationen eher an Detailfragen, verbessern und optimieren Produkte, Abläufe und die Qualität. Man kann eher von operativer Exzellenz sprechen, die mit vorhandenen Ressourcen das Optimale rausholt. Große Innovationssprünge sind damit eher schwer zu erreichen.

2. Wie kann man mit Hilfe der Ambidextrie Innovation fördern?

Der Kerngedanke von Ambidextrie ist, dass Innovation (also das Öffnen von Räumen, in denen Innovation zugelassen wird), eine Daueraufgabe ist. Früher waren die Produktlebenszyklen länger und man konnte viele Jahre lang das gleiche (gute und bewährte) Produkt kaufen, z. B. einen Staubsauger. Bis dieses Produkt nicht mehr am Markt platziert werden konnte, verging einige Zeit, in der sich das Unternehmen vorrangig um eine günstige und hochwertige Herstellung des Produkts kümmern konnte. Erst wenn die Absatzzahlen sanken (z. B. weil ein anderer Hersteller ein günstigeres, besseres oder moderneres Produkt auf den Markt gebracht hatte), war es Zeit, sich einer Neuauflage des Produkts zuzuwenden.

Heutzutage sind diese Phasen einem deutlich rascheren Wechsel unterworfen. Fast jedes Produkt gibt es von mehreren Anbietern, oft in mehreren Produktvarianten. Jede Branche hat selbstverständlich ihren eigenen Rhythmus: In der Textilindustrie (dort besonders im fast fashion-Bereich) ist schon nach wenigen Wochen das komplette Sortiment ausgetauscht und ständig kommen neue Produkte dazu und alte verschwinden. Bei höherpreisigen Produkten ist die Dauer länger, dennoch ist insgesamt eine Verkürzung dieser Phasenwechsel zu beobachten. Als zusätzlicher Brandbeschleuniger für diese Entwicklung kommt das Agieren auf dem globalen Markt hinzu – kurz gesagt: Es gibt viel mehr Konkurrenz, die sich jederzeit aufmachen könnte, ein Produkt schneller, günstiger, besser oder in hübscheren Farben anzubieten. Deshalb wechseln sich diese Phasen nicht mehr ab, sie müssen gleichzeitig passieren – so widersprüchlich sie im Grunde sein mögen.

Innovation ist von der gelegentlichen Aufgabe zur Daueraufgabe geworden und das Instrument der Ambidextrie kann unterstützen, die Räume für Innovation zu öffnen und geöffnet zu halten.

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