Start Ups

Start Ups als junge Unternehmen haben – wie Kinder auch – mit ihren ganz eigenen Herausforderungen zu kämpfen. Auf dem Weg ins Erwachsenen-Dasein müssen sie als Organisationen viele Dinge erst lernen. Deshalb macht jedes Start Up eine intensive Phase des Lernens durch. An der Nahtstelle zur reifen Organisation sind mehrere Hürden zu bewältigen, von denen besonders die Einführung von Regeln, Standards und verbindlichen Prozessen als negativ wahrgenommen wird. Mit Hilfe der Ambidextrie lassen sich jene Aufgabenbereiche definieren, in denen Start Ups sich auf die Diskussion um Formalisierung einlassen müssen, um gesundes Wachstum zu erreichen.

1. Was hat Ambidextrie mit Start Ups zu tun?

Start Ups sind durch die Brille der Ambidextrie betrachtet die Explorer in ihrer reinsten Form. Auch wenn klar ist, dass Unternehmen zum langfristigen Bestehen beide Modi beherrschen müssen, so liegt es im Wesen eines frisch gegründeten Unternehmens, zu explorieren, Wege zu erforschen, auszuprobieren, zu scheitern und auf die Nase zu fallen und unglaublich oft wieder aufzustehen.

Start Ups lernen in ihrer Anfangsphase genau jene Kompetenzen, die große, etablierte Unternehmen im Laufe der Zeit verlernen und sich mühevoll wieder aneignen müssen: Möglichst schnell die richtigen Schlüsse zu ziehen, um zu überleben. Oft herrscht ein gewisses Chaos, denn viele Dinge passieren zum ersten Mal (OH WOW! EIN KUNDE HAT EBEN ANGERUFEN!!!) und daraus wird klar, dass es für die allermeisten Dinge keinen vordefinierten und geregelten Prozess gibt – woher auch?

Derzeit werden junge Unternehmen oft mit „wendigen Speedbooten“ gleichgesetzt, während lange bestehende Unternehmen als schwerfällige „Tanker“ beschrieben werden. Betrachtet man sich dieses Bild, so zeigt sich, dass von beiden Bilder positive Aspekte ausgehen. Die Schnelligkeit, Wendigkeit und Flexibilität der Speedboote ist schön, aber so eine kleine Nussschale ist Wind und Wetter deutlich stärker ausgesetzt – oder, um es anders zu sagen: Eine größere Welle und das Speedboot steht unter Wasser, kippt um und ist manövrierunfähig.

Dem Tanker sind kleinere und größere Wellen egal, oft bemerkt er sie gar nicht.

2. Wie können Start Ups von Ambidextrie profitieren?

Oftmals hilft es schon Routinen zu entwickeln. Es ist nicht nötig, dass fünf Personen gleichzeitig sich jedes Mal neu ausdenken, wie ein Angebot aufgebaut sein könnte. Die Ambidextrie hilft, diese Nahtstelle vom reinen Explorer-Dasein hin zu einzelnen Exploit-Bereichen zu bewältigen. Mit ihrer Hilfe können Aufgaben und Bereiche identifiziert werden (und entsprechende Kompetenzen gezielt aufgebaut werden), die für Qualität sorgen, Ressourcen schonen und Wachstum durch geregelte Abläufe ermöglichen.

Wenn man sich das Beispiel vom ersten Kundenanruf in einem Start Up vor Augen führt, so geht die Geschichte nach anfänglichem Chaos wohl so weiter: In Zukunft wird wohl vereinbart, dass jemand Kundentelefonate entgegennimmt, der ohne lauten Jubel das Gespräch führen, alle Kundenfragen beantworten und vielleicht sogar ein gemeinsames weiteres Vorgehen vereinbaren kann. In der Folge wird wahrscheinlich irgendwann eine Liste mit den zu erwartenden Fragen bei Erstgesprächen erstellt, außerdem wird es Stück für Stück Standarddokumente wie Flyer, Angebote oder Onepager etc. geben.

Für jedes Start Up ist ein kritischer Punkt dann erreicht, wenn jene Aufgaben, die Standardisierung und klare Regeln erfordern, nicht erkannt und bewältigt werden. Im Beispiel eines Kundenanrufs würde das bedeuten, dass immer jemand anderes ans Telefon geht und jeder dem Kunden seine Meinung und damit ggf. abweichende Informationen durchgibt. Im schlimmsten Fall sieht jedes Angebot anders aus, verspricht andere Leistungen, andere Produktmerkmale und auch Preisgestaltung und Konditionen widersprechen sich enorm.

3. Wie unterstützt man das Wachstum von Start Ups mit Ambidextrie?

Ist ein Unternehmen auf Wachstumskurs, wird es in aller Regel wachsen – wenn starke finanzielle Unterstützung von außen kommt, läuft dies meist auch sehr schnell ab. Das Unternehmen wird erwachsen und mehr Mitarbeiter beschäftigen. Bereits ab einer Größe von ca. 15 Personen ist es schwierig, die ganze Gruppe als „Generalisten“ zu erhalten, wo jeder quasi immer über alles Bescheid weiß und es im Notfall möglich ist, auch ganz andere Aufgaben zu übernehmen. Ab einer bestimmten Größe muss das Unternehmen in kleinere Teams oder Gruppen „zerfallen“, die sich spezialisiert mit ihren jeweiligen Aufgaben befassen. Im Laufe der Zeit wird auch die Arbeit für die internen Abläufe der Organisation eine eigene Aufgabe, z. B. die Lohnabrechnung, die Koordinierung von Urlaub und Sonderfälle wie Steuerprüfungen oder die Organisation der Abläufe, wenn Mitarbeitende in Elternzeit gehen.

Die Ambidextrie ist ein gutes Instrument, um jene Aufgaben herauszufiltern, die Zuständigkeiten, Aufgaben, Verantwortung und Schnittstellen in den Fokus rücken müssen. Tut ein Unternehmen das an dieser Stelle nicht, entsteht ein Vakuum. Dies stellt eine große Gefahr genau zu jenem Zeitpunkt dar, an dem es eigentlich gerade anfing, gut zu laufen.

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